Steams Free2Play-Kategorie: Ein Trip in die Hölle (Kolumne)

Es ist erstaunlich, wie etwas, dass eigentlich umsonst ist, der Gamer-Seele so wehtun kann. In Steams Free2Play-Kategorie finden sich Spiele, die eine echte Qual sind.

Hölle, Hades, Helheim oder Unterwelt – es gibt viele Namen, doch sie alle beschreiben einen furchtbaren Ort, an dem das Grauen herrscht. Je nachdem wen ihr fragt, gibt es auf Steam gleich mehrere Orte, die dieser Beschreibung entsprechen. Worauf sich die meisten sich bestimmt einigen können, ist die Free2Play-Kategorie. Ein Ort, an dem jeder seine Qual findet.

Wie es mit uns Menschen nun mal so ist, können wir einfach nicht die Finger von den verdammten Äpfeln lassen und ich habe gleich in drei reingebissen. Was dann wieder hochkam, hab ich hier für euch aufgeschrieben.

Bevor wir uns hinab ins digitale Fegefeuer begeben, noch ein paar Anmerkungen.

Ich versuche auf religiöse Wortspielereien zu verzichten. Diese drei Spiele stehen nur beispielhaft für viele andere Spiele.  Ich weiß, es gibt wesentlich schlimmere Spiele.

Click Space Miner 2

Vermutlich eines der wenigen Spiele, die mit ihrem Namen wirklich das komplette Gameplay beschrieben haben. In Click Space Miner 2 klickt ihr im „Space“ auf Planeten um die dann abzubauen (mine). Eigentlich passiert in dem Spiel nicht viel mehr. Ihr „fliegt“ mit einem Raumschiff zu einem von drei Planeten und klickt auf ihnen rum, um irgendwas abzubauen.

Daran ist allerdings nichts animiert, es sind nur statische Bilder und eine Ressourcenanzeige, die durch Klicken steigt. Mit den Ressourcen kauft ihr dann Upgrades (das Spiel sagt euch nicht, was diese bewirken), damit die Anzeige schneller steigt und auch ein passiver Anstieg wird erhöht.

Die furchtbare Musik ist ein Verbrechen und kann ja zum Glück ausgemacht werden. Was allerdings eine echte Frechheit ist, sind die angebotenen Mikrotransaktionen. Eine Deluxe-Edition für 2,39 Euro entfernt die Werbung aus dem Spiel. Außerdem könnt ihr Geld ausgeben für eine Ingame-Währung mit der ihr dann Upgrades kaufen könnt, von denen ihr keine Ahnung habt, wofür sie gut sind. Die Qual dieses Spiels ist die zum Himmel schreiende Absurdität, dass ihr Geld zahlen sollt, damit das einzige Spiel-Feature (= Klicken) immer obsoleter wird.

Es gibt Leute, die finden solche Click-Games entspannend, aber wohl kaum mit dieser Präsentation. Ich habe Click Space Miner 2 dann ausgetrickst und es ein paar Tage im Hintergrund laufen lassen und ab und zu das upgegraded, von dem ich glaubte, dass es passiv die Ressourcen erhöht. So einfach bin ich noch nie in einem Spiel Millionär geworden.

League of Maidens

Kurz gesagt: League of Maidens ist ein Action-RPG, in dem ihr als eine der namensstiftenden Maiden durch Schusswaffen und magische Superkräfte die Welt rettet. Eure Maiden erschafft ihr selbst in einem Charaktereditor, der alles hat, was das misogyne Herz begehrt. Die Grafik ist im Gegensatz zum vermittelten Frauenbild einigermaßen erträglich.

Im Spiel selbst ballert euch League of Maidens mit Menüs, Bannern, Pop-Ups und Buttons zu, dass ihr nicht mehr wisst, wo oben und unten ist. Es gibt tägliche Herausforderungen, einen Battle Pass, Kisten zum Öffnen, ein Glücksrad und stetig startet Musik wie in einem Casino. Außerdem führt jeder zweite Klick in den Shop. In dem gibt es Kleidung zu kaufen, die dieser Bezeichnung nicht würdig ist, ein Premium-Abo und vieles mehr. Im Grunde ist in diesem Spiel alles hinter einer Paywall.

Zwar sind die Frauen in League of Maidens so spärlich bekleidet wie nur möglich, doch nackte Haut gibt es nur gegen Geld zu sehen. Ein Nude-Cheat muss bezahlt werden, genauso wie der Zutritt zur Dusche im Hauptquartier der Maidens. Erst dann schalten sich auch die Slider für die Genitalien im Editor frei. Um es hier noch mal auf den Punkt zubringen, durch eine Mikrotransaktion enthält das Spiel ab dem Kauf schlicht Pornografie.

Bei echter Nacktheit hört für Steam übrigens der Spaß auf:

Ein kurzer Exkurs zum Thema Sex in Videospielen. Ein Spiel, das sich an Erwachsene richtet, darf sich definitiv mit Erotik, Sex und Sexualität auseinandersetzen. Es ist völlig normal für Charaktere und auch für Geschichten solche Themen zu behandeln, so wie es Filme, Bücher und sämtliche Kunstformen auch tun. Das Problem der Charaktere in League of Maidens ist aber nicht die Nacktheit, es ist der Kontext, in dem sie zu sehen ist. Ein prominent beworbenes Feature ist der Foto-Modus, in dem Spieler bestimmen, wie ihr Charakter zu posieren hat. Es ist die Diskrepanz zwischen den gezeigten Superheldinnen und ihrer Machtlosigkeit gegenüber dem Spieler.

Ich weiß, dass wollen viele nicht hören, aber Kinder können das problemlos spielen. Jeder mit einem Steam-Account kann das Spiel problemlos runterladen und auch die 20 Euro für den Nude-Cheat lassen sich für Minderjährige einfach aufbringen. Neben der Tatsache, dass dieses Spiel eigentlich um seine Mikrotransaktionen gebaut wurde, ist es einfach nur sexistisch.

Infestation: Survivor Stories 2020

Infestation: Survivor Stories 2020 ist der erneute Versuch, das Spiel The War Z unter die Leute zu bringen. Dazu gibt es auf Steam noch Infestation: The New Z und Infestation: Battle Royale. All dies ist das gleiche Spiel vom selben Entwickler, der seit fast zehn Jahren versucht, mit diesem Zombie-Survival-Albtraum Geld zu verdienen.

Das Spiel wurde in seinen verschiedenen Neuerscheinungen auch schon mal zum Kauf angeboten und hat sich dabei kaum verändert. Die Konstanten sind der Vorwurf, eine billige Kopie von DayZ zu sein und die unverschämten Mikrotransaktionen im Spiel. Egal ob Free2Play oder als „Vollpreis-Spiel“ jede Variante war das reinste Pay2Win.

Das gilt auch für die 2020er-Version. Die ist zudem technisch in einem absolut miserablen Zustand. Außerdem gibt es Cheater an jeder Ecke, denen man nicht mal böse sein kann, weil es vermutlich der einzige Weg ist, ein bisschen Freude an diesem Spiel zu haben. Um eine Steam-Rezension zu zitieren, die es recht gut auf den Punkt bringt: „Ich würde eher für Winrar bezahlen.“

Lasst die Finger davon

Bei Click Space Miner 2 konnte ich nur den Kopf schütteln, es ist einfach so absurd, dafür Geld zu verlangen. League of Maidens war für mich die schlimmste Erfahrung. Ich habe mich beim Spielen die ganze Zeit irgendwie eklig gefühlt. Versteht mich nicht falsch: In Videospielen ist meiner Meinung nach Platz für Erotik und Sex. Entwickler trauen sich das sogar viel zu wenig. Es geht schließlich auch ohne „Cringe“ und kann ganz normal zu einer Geschichte dazugehören. Liebe, Lust und Leidenschaft sind Emotionen und Bedürfnisse, die vielschichtige Charaktere nun mal haben, also zeigt es entsprechend der Altersfreigabe des Spiels auch! Wie explizit das sein darf, ist eine andere Diskussion.

League of Maidens hat aber nichts mit Erotik zu tun, es ist plumpe Pornografie. Die Maidens sind dem Spieler ausgeliefert und es wird auf billigste Art versucht Geld zu machen.

Gleiches gilt für Infestation-Wold-War-Z-Irgendwas. Mehrfach wird dieses Spiel wieder bei Steam angeboten, ohne auch nur den Hauch einer Intention Spielern ein tolles Erlebnis zu bieten. Vielleicht ist das sogar das Schlimmste an allen drei Spielen. Ich hatte nie das Gefühl, hier möchte mir jemand ein schönes Videospiel anbieten, sondern irgendeinen zusammengezimmerten Blödsinn, der mich für dumm verkaufen will damit ich Geld bezahle.

Die drei Spiele haben es übrigens auch in diese Bilderstrecke geschafft:

Es gibt so viele vernünftige und auch kostenlose Spiele, die mit hoher Wahrscheinlichkeit alles besser machen, was diese drei euch vorgaukeln wollen. Spielt doch einfach was davon. Ich spiele jetzt erst mal was mit Hundewelpen.

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